Die Sache mit der Selbstliebe

Saluuut,

bei mir hat sich in der Klausurenphase einiges angestaut – und wie es halt immer so ist: Wenn du weißt, du hast keine Zeit, gibt’s Motivationsstau! Deshalb hoffe ich, meine Schreiblust hält etwas an und ihr habt Bock hier etwas mehr von mir zu lesen. 

Selbstliebe – ich kann es nicht mehr hören?!

Ich werde in letzter Zeit immer häufiger bezüglich „verschiedener“ Themen um Rat gefragt. Aber alle haben sie irgendwie etwas mit Glück und Unglück zu tun. Deshalb möchte ich euch vorweg kurz sagen: Das hier wird jetzt kein „Wie werde ich glücklich in 2 Tagen“ Selbsthilfe-Beitrag. Denn vielleicht ist es auch mal wichtig zu sagen, dass auch ICH nicht immer glücklich bin. Niemand von uns ist IMMER glücklich und zufrieden! Aber ich kann euch gerne meine Sicht der Dinge erklären und versuchen, dem ein oder anderen einen kleinen Anstupser in die – meiner Meinung nach – richtige Richtung zu geben.

Zu mir sagte vor kurzem jemand: „Ich kann dieses ganze Self-Care und Selbstliebe-Zeug nicht mehr hören, geschweige denn lesen. Alle sollen sich nur noch selbst lieb haben?!“ Ich persönlich kann das Problem dahinter nicht ganz verstehen. Was ist so falsch daran? Denn wir wissen ja alle, dass die Liebe, die wir für uns selbst empfinden – die Wertschätzung – das ist, was eine wichtige Grundlage für Zufriedenheit bildet. Die Liebe zu sich selbst ist die Grundlage, auf der Beziehungen zu anderen aufbauen. Sie ist unsere Ressource für all das, was wir eben nicht beeinflussen können. Das hat für mich nichts Egozentrisches, sondern etwas mit gesundem Egoismus zu tun.

Deshalb auch wieder von mir, denn ich bin es nicht leid: Fang endlich an dich selbst zu lieben!

„Wenn man alles hat, was man braucht, schön ist, gesund ist… klar fällt es einem dann leicht, sich selbst zu mögen“ Ist das so? Liebt man sich automatisch, nur weil man schön ist? Oder weil man gesund ist? Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass schöne Menschen alles andere als bei sich selbst angekommen sind (hier die Anmerkung von mir: Was ist überhaupt SCHÖNHEIT und wer definiert sie?). Zumindest ist das nicht immer so und auch ganz sicher nicht automatisch.

Fang endlich an dich selbst zu lieben!

Wir haben in unserem Lebensparkour alle unsere individuellen Hindernisse. Und jeder geht mit seinen Herausforderungen anders um. Niemand ist immer gesund, jeder durchläuft Verluste, Ängste, Sorgen, … natürlich ist es individuell, wie viel jeder Einzelne zu tragen hat und besonders, wie gut er so etwas händeln kann. Manch einer hat Probleme mit Dingen, die jemand anderem vielleicht zufliegen, mag an sich die Dinge nicht, die anderen vielleicht gar nicht auffallen. Aber er hat damit zu kämpfen und steckt das vielleicht weniger gut oder einfach weg. Aus all diesen Gründen kann Unzufriedenheit entstehen. Manches ist uns vererbt worden, machmal kommen äußere Umstände hinzu. Wichtig ist jedoch, sich bewusst zu werden, dass die für uns erkennbaren Voraussetzungen, um glücklich zu sein, unterschiedlich und vielleicht nicht immer ideal sind. Trotzdem müssen wir uns auch irgendwie ein bisschen dazu entscheiden, glücklich zu werden.

Sowas wie Tipps

Deshalb ein paar – ich nenne es mal – Tipps, die ich euch ans Herz legen will. Vielleicht funktioniert es ja irgendwie, sie auf euer Leben anzuwenden oder einfach als Inspiration für eigene Ansätze zu nutzen.

1. Dieses Ding mit dem Instagramvergleich 

Ich möchte auf das Thema Social Media gerne in einem separaten Beitrag eingehen, weil es anscheinend wirklich so viele von euch beschäftigt: Die Leute auf Instagram sehen alle immer so glücklich und perfekt aus. Wer sich vergleicht, stellt schnell fest, dass da so viele Menschen sind, die besser sind, als man selbst und das schraubt natürlich dann das Selbstbewusstsein runter.

Mein Tipp: Änder es! Lösch die App im härtesten Fall, wenn sie dich wirklich unglücklich macht. Aber ich kann nur sagen: Ich habe dadurch sehr viel Inspiration gesammelt, faszinierende Menschen kennengelernt und sehe darin eine zusätzliche Möglichkeit kreativ zu sein. Wichtig ist einfach: Konsumier das, was dich froh macht! Wenn du dich in deinem Körper unwohl fühlst, schau dir nicht die Accounts an, die sich auf sowas fokussieren, sondern check die Seiten, die dir Zuspruch und Motivation geben. Wenn du vielleicht gerne malst, folge den Seiten mit viel künstlerischem Inhalt, um dich kreativ beeinflussen zu lassen. Und klar sind diese Künstler vielleicht besser… Aber hey, es gibt doch immer wen, der besser ist! Seh das Ganze als Inspiration und nicht als Wettstreit.

Also: Konsumier und streich Accounts so, wie es dich am glücklichsten macht!

2. Mach dir einen Plan

Das klingt echt seltsam, Liste zu führen, was mag ich in meinem Leben und was nicht… da kommt man sich vielleicht doof vor. Was soll’s? Versuch es! Aber ernsthaft. Nicht nach dem Motto: alles an mir und meinem Leben ist eine Katastrophe. Nein! Such dir genau die Dinge heraus, die dich glücklich machen. Selbst die kleinen Dinge sind super wichtig! Und dann konzentrier dich darauf. Werde dir bewusst, was dich in deinem Leben stört und was dich antreibt und glücklich macht. Und dann arbeite an den Problemen, such Lösungen oder wie du diese Faktoren aus deinem Leben verbannen kannst. So hast du mehr Energie für die guten Dinge! Sich beide Seiten bewusst zu machen, ist die Grundlage, um an ihnen arbeiten zu können.

3. Aussortieren

Schließ aus deinem Leben aus, was dir nicht gut tut! Ich weiß, das klingt hart und funktioniert leider nicht bei allem und auch nicht immer. Aber aufräumen befreit! Hast du schonmal über Freundschaften nachgedacht und hast bemerkt, dass diese Freundschaft z.B. alleine durch dich besteht? Oder dass sie dich nur noch belasten? Freundschaften durchlaufen Phasen. Aber du bist nicht alleine dafür verantwortlich, in welche Richtung sie gehen. Sprich Kummer und Unzufriedenheit in den Beziehungen an. Versuch den Grund dafür anzugehen. Trenn dich im härtesten Fall von den Menschen, die dich auf Dauer runterziehen, die dich nicht nehmen, wie du bist oder wo du dich nicht fallen lassen kannst. Das ist natürlich nicht einfach. Man sollte sich das auch gut überlegen. Aber negative Beziehungen belasten auf Dauer und blockieren die eigene Zufriedenheit.

4. Auszeiten

Wo wir wieder bei den schönen Dingen sind. Genau mit denen sollten wir uns intensiver, bewusster und häufiger beschäftigen. Lesen, Sport, Musik, Meditieren, Kochen, Gespräche und Zeit mit unseren Bezugspersonen, ein Spaziergang, Wellness… Alles was dir so einfällt. Such dir etwas aus. Und tu es! Weil du es verdient hast. Weil Auszeiten für den eigenen Ausgleich, aber auch für zwischenmenschliche Beziehungen wichtig sind. Niemand kann pausenlos unter Stress, Beobachtung, Druck und Anspruch stehen. Zeit mit sich zu verbringen, verbessert die Verbindung zu sich selbst.

5. Zusammenreißen

Die kleinen Tiefs können uns ja doch ganz schön runterziehen. Gerade dann sollten wir uns aber fragen, ob es das jetzt wirklich wert ist. Ob wir vielleicht nicht einfach mal die Pobacken zusammenkneifen und uns bewusst dazu entscheiden sollten, glücklich zu sein. Weil es einfach so viel schöner ist.

Ich weiß Tief ist nicht gleich Tief, Schmerz nicht gleich Schmerz und jeder leidet anders. Einer kranken Person zu sagen „Hey, morgen wird es wieder besser“, hilft hier nicht wirklich. Das weiß ich auch. Aber wir können versuchen, uns aus unserem Loch raus zu kämpfen. Weil wir die Möglichkeiten haben diesen Versuch zu wagen und diese nicht unversucht lassen sollten. Denn wir haben nur diese eine Option, dieses eine Leben, das wir gestalten können. Und warum dann nicht auf die schönste Weise, die wir uns vorstellen können? Ganz nach unseren Vorstellungen mit den Dingen, die uns zur Verfügung stehen.

Mach dir all deine guten Eigenschaften bewusst – bewusst, was du hast, magst, worin du besonders gut bist und was es für schöne Dinge in der Welt gibt. Spätestens dann solltest du vor Stolz platzen!

Mit zusammenreiße meine ich aber auch, nicht feige zu sein und sich Hilfe zu holen, wenn man jemanden zur Unterstützung braucht. Und das ist manchmal besser jemand Fremdes. Jemand der Erfahrung mit so etwas hat, Anstand zu den Dingen und bei dem man sich alles von der Seele reden kann. Sich Hilfe zu holen, ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern eine starke Entscheidung! Es ist die Entscheidung wieder glücklich sein zu wollen. Bereitschaft, Probleme und Vergangenes aufzuarbeiten. Mut, Dinge anzugehen und ihnen ins Gesicht zu schauen.

6. der Schlüssel ist nicht das Reisen selbst

Überall liest man: geh auf Reisen und du findest zu dir selbst. Ich finde das ein bisschen schwierig, weil ich nicht denke, dass das der springende Punkt ist. Viel mehr geht es um das, was wir auf den Reisen erleben und das sollte so auch kommuniziert werden. Neue Menschen mit neuen Ansichten, die unsere Gedanken und Einstellungen verändern, Natur und Kultur, die unseren Horizont erweitern, Selbstständigkeit und Zeit mit sich, Abstand zum Alltag und den Strukturen des festgefahrenen Lebens.

Und trotzdem glaube ich, dass da etwas Wahrheit dran ist. Brich aus deiner Komfortzone aus! Leg den Alltag beiseite und erkunde eine neue Welt.

7. Feier deine Besonderheiten

Augenringe, Dehnungsstreifen, Doppelkinn. Fettpölsterchen, Narbe am Kinn, ungleich große Brüste, nicht standardgemäße Schamlippen, große Brustwarzen oder zu kleine. Hiervon zu viel, davon zu wenig …

Du hast 2 Optionen: bei jedem Hinsehen ärgern – noch besser natürlich: gar nicht hinsehen, Stimmung auf den Nullpunkt sinken lassen und dich selber mies finden. Oder einfach mal begreifen, dass dies ein Merkmal von dir ist, dass dich von anderen abhebt. Verstehen, dass wenn wir alle diese kleinen Besonderheiten nicht hätten, völlig gleich wären. Und zwar langweilig gleich! Wir wollen doch alle etwas besonderes sein: hier, bitte, dein besonderes Merkmal! Feier es – sei dankbar, etwas BESONDERES zu sein. Natürlich ist nicht jede Besonderheit direkt einfach zu akzeptieren. Aber begib dich auf die Suche nach dem Grund, wieso du eben genau diese Besonderheit hast. Es kann Kommunikationsmittel deiner Seele sein (bei Hautproblemen zum Beispiel), kann dir zeigen, durch was für eine prägende Zeit du in deinem Leben gegangen bist (Narben) oder was daraus Großartiges entstanden ist (nach einer Schwangerschaft). Unser Körper ist ein Königreich! Wir können doch gar nicht anders, als stolz und achtsam ihm gegenüber zu sein. Er ist doch schließlich unser Zuhause.

8. Vergib dir Fehler

Niemand ist unfehlbar. Wir treffen Entscheidungen, die wir später bereuen. Wir begehen Fehler aus einem Impuls heraus oder unbewusst. Das passiert aber jedem! Viele gehen deshalb bei anderen auf die Suche nach Fehlern, um sich besser zu fühlen und von sich abzulenken. Bleib bei dir! Sich einzugestehen etwas falsch gemacht zu haben ist etwas gutes. Man lernt daraus und kann es danach besser machen. Man erfährt mehr über sich selbst und stößt auch mal an seine Grenzen. Ein richtiges Selbstbild braucht auch die Anerkennung von Macken oder Fehlern, die man gemacht hat. Wichtig ist, dass du dir immer wieder bewusst wirst, dass es uns allen mal so geht.

Glaub an dich!

Nochmal: ich weiß, dass es vielleicht manches Mal leichter gesagt ist, als getan. Dass mehr Menschen an Depressionen leiden, als man vielleicht denken mag. Und mit Sicherheit haben manche von uns nicht die gleichen Möglichkeiten oder stecken in verzwickten Lagen, aus denen man nicht so einfach mal ausbrechen kann. Ich will trotzdem sagen: Es ist für niemanden einfach, aber es ist wichtig. Du musst an dich selbst glauben! Es ist wichtig, für sein Glück zu kämpfen, weil es die schönere Alternative ist. Weil das Leben kürzer sein kann, als wir annehmen. Und weil wir es denen schulden, die die Möglichkeit nicht haben.

Es ist wichtig, für sein Glück zu kämpfen, weil es die schönere Alternative ist.

Ich bin 24 und vielleicht denke ich mit 34 noch mal anders über all das. Außerdem bin ich sicher nicht die Vorsitzende des Selfloveclubs! Ich weiß doch selbst genau, wie schwer es manchmal ist. Auch ich habe Hürden in meinem Leben niedergerannt, sie zum Teufel gewünscht oder bin fast daran gescheitert.

Außerdem bin ich sicher nicht die Vorsitzende des Selfloveclubs!

Um nur einen Punkt zu nennen: Jahrelang war mein Leben von einem gesundheitlichen Auf und Ab geprägt. Immer wieder hat meine Gesundheit mir einen Strich durch die Rechnung gemacht und ich konnte – auch wenn ich wollte – oft nicht so unbeschwert sein, wie manch andere in meinem Alter. Ich habe oft in der Schule gefehlt, war bei zig Ärzten. Was sollte ich da bitte Positives für mich rausziehen? Heute weiß ich – mit genügend Abstand und dem relativ sicheren Wissen meine Erkrankung im Griff zu haben – dass ich lernen musste, besser auf mich zu hören. Meine Bedürfnisse früh genug zu erkennen und auf sie einzugehen. Was aber ist mit Menschen, die es noch schlimmer getroffen hat? Eine Freundin sagte bei einem Gespräch zu mir: ich bin mehr als nur meine Krankheit! Und das ist es vielleicht: wir sind mehr als nur eine unserer Besonderheiten, mehr als ein Fehler, der uns unterlaufen ist, mehr als ein Talent, unser Job, unsere Erfahrungen. Mehr als nur unser Körper, unser Besitz oder unser verkorkstes Seelenleben. Wir sind mehr als nur einer dieser einzelnen Punkte. Wir sind die Summe aus all diesen Dingen. All diese Dinge machen uns aus und zu etwas Besonderem.