Die Pille, was danach?

Da bin ich wieder. Nachdem ich vor einigen Wochen in einem Post von meiner Haut berichtet habe und auch davon, wie sie sich mit dem Absetzen der Pille verändert hat, haben mich einige Nachrichten erreicht. Ich habe mich entschlossen, hier mal etwas näher darauf einzugehen. Eigentlich war ich mir sicher, dass sich das Interesse eher gering hält, was das Absetzen der Antibabypille angeht. Schließlich haben schon einige Mädels auf Social Media Kanälen über ihre Erfahrung gesprochen und es ist fast schon ein „Hype“ geworden, auf alternative Verhütungsmethoden umzusteigen. Gut so! Außerdem kann über wichtige Themen nie genug geredet werden!

Außerdem kann über wichtige Themen nie genug geredet werden!

Warum der ganze Stress?

Ich habe also vor genau einem Jahr einfach aufgehört die Pille zu nehmen. „Einfach aufgehört“ stimmt so nicht ganz, denn ich habe bis zu dieser Entscheidung ein Jahr lang mit der Entscheidung gehadert und mich doch nie getraut. Lange Telefonate mit Freundinnen, die das Ganze schon hinter sich hatten, mehrfach habe ich meine Frauenärztin um Rat gefragt und wir haben in unserer Partnerschaft natürlich auch öfter darüber gesprochen. Dann waren da natürlich auch noch andere Unterhaltungen… „Und wie willst du dann verhüten?“ Für mich war klar: wenn ich absetze, nehme ich keine Hormone mehr!!! Hier will ich kurz einwerfen: Locker bleiben, Mädels! Es gibt schließlich auch Methoden zur Verhütung, die keine künstlichen Hormone integrieren. Ich muss aber auch sagen, dass ich da grundsätzlich kein panischer Typ bin. Zu den verschiedenen Möglichkeiten vielleicht auch einfach mal beim Arzt genauer informieren (denn danach wurde ich wirklich oft gefragt).
Worin sich wirklich alle einig waren, die die Pille schon zum Teufel gejagt hatten: Du wirst deinen Körper mehr lieben als je zuvor. Ich habe das Glück, dass ich mit mir schon längere Zeit im Reinen bin und dass das somit kein wirklicher Grund war, weshalb ich mich dafür entschieden habe. Ich wusste eigentlich schnell – nachdem ich mich das erste Mal wirklich damit auseinandergesetzt hatte, was ich da täglich einwerfe – dass ich das meinem Körper nicht mehr antun wollte. Gleichzeitig war ich aber auch so ängstlich, was passieren würde, wenn ich die Hormone plötzlich nicht mehr nehmen würde. Hier waren die Sorgen nicht auf die Verhütung bezogen. Ich hatte wirklich „oberflächliche“ Ängste: Bekomme ich dann zum ersten Mal schlechte Haut? Bekomme ich noch mehr Haarausfall also sowieso schon? Denn, das muss ich dazu sagen, bei mir war es nicht wie bei Vielen, dass ich mich emotional von der Pille beeinträchtigt gefühlt habe.

Ich hatte wirklich „oberflächliche“ Ängste.

Ich hatte dieses Gefühl nie, das viele beschreiben, wie unter einer Glasglocke zu sitzen oder antriebslos zu sein. Ich wollte einfach meinem Körper nicht mehr antun, täglich auf unnatürlich Weise in den Hormonhaushalt einzugreifen. Außerdem hatte ich die Hoffnung, dass meine Migräne verschwindet. Und dann war da noch etwas: Eine Person im meinem engeren Umfeld bekam im gleichen Zeitraum die Diagnose „Tumor auf Grund hormoneller Behandlung“. Dass Die Pille das Wachstum von Gewebe so extrem bedingt und dieses Gewebe bösartig werden kann, war mir nie klar gewesen. Spricht ja schließlich auch nie ein Arzt darüber. Im Gegenteil! Mir wurde damals die Pille verschrieben, als ich noch gar keine Verhütung benötigt habe. Ich bekam sie lediglich wegen meiner Regelschmerzen. Und dann habe ich sie zehn Jahre genommen, ohne darüber nachzudenken.

Mein Verlauf in einem Jahr

Von Tag eins an ohne Pille bis heute, habe ich eine Art „Hormonfrei-Tagebuch“ geführt, um auch rückblickend besser beurteilen zu können, was in der Zeit so passiert ist. Ich will euch jetzt hier keinen kompletten Auszug meines Verlaufs auflisten, aber zumindest einen kleinen Einblick geben.


Tag 1: Dass ich mich heute dazu entscheide, hätte ich jetzt auch irgendwie nicht gedacht. Es braucht eben einen Partner, der absolut hinter einem steht und dich unterstützt. Also werde ich die Pille heute einfach nicht einnehmen. Ganz spontan entschieden! (Schweißausbruch!!!) Wirklich spontan kann man es aber eigentlich auch nicht nennen nach einem Jahr Überlegung *hust*.
Also lade ich mir jetzt mal eine App für meinen Zyklus runter und werde Buch führen, damit ich nicht den Überblick verliere. Habe keine Ahnung mehr, wie es sich anfühlt ohne „fremde Hormone“. Vielleicht werde ich aber auch gar nicht viel Unterschied merken. Soll es auch geben. Was ich auf jeden Fall tun möchte: Ich will meinem Körper besonders viel Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken. Keinen Zucker (hilft der Haut schließlich) und wieder mehr Bewegung! Los geht’s, schätze ich. …Zwei Stunden später: Kurzer Anflug von Panik, ob es nicht die falsche Entscheidung war. Der leichte Weg wäre definitiv einfach gewesen, aber ich muss es jetzt durchziehen! Anscheinend hat ja jetzt das Gefühlschaos schon angefangen, haha.

Tag 3: Juhu komplettes Chaos im Zyklus… das ist bestimmt erst der Anfang. Wäre auch zu schön gewesen.

Tag 9: Wir waren vor einigen Tagen übers Wochenende auf Reisen und ich hab total vergessen drüber nachzudenken. Nur meine App habe ich weiterhin geführt. Die letzten zwei Tage gab es allerdings Stimmungstiefs.

Nach 3 Wochen: Erste MONATSblutung. Oder auch nicht. Periode eine Woche später als eigentlich zu erwarten. Muss sich alles wohl noch einspielen.

Nach 2 Monaten: Ok, also Stimmungsschwankungen sind gar kein Ausdruck! Aber stündlich!! Da freuen sich die Mitmenschen. Kann natürlich auch an anderen Faktoren hängen. Der Winter hat ja auch so seinen Einfluss. So oder so machen meine Hormone es nicht besser.
Das mit den Pickeln habe ich mir wirklich schlimmer vorgestellt. Partien wie Kinn oder Stirn sind typische hormonelle Stellen, wo Pickel auftreten können. An meinem Kinn hat sich tatsächlich eine Stelle auserkoren, die besonders empfangsfreudig ist und für meine Stirn hab ich ja zum Glück meinen Pony…wie praktisch. Aber im Ernst, es ist wirklich halb so wild. Ich merke Verbesserungen und Verschlechterungen während des Zyklus. Eigentlich ganz schön interessant das Ganze.
Jetzt kommt der Witz überhaupt: Ich hatte wirklich Schiss, dass meine Haare mehr ausfallen werden, wo ich doch sowieso so dünnes und relativ wenig Haar habe. Und es ist das Gegenteil aufgetreten. Ich habe die ersten drei Wochen zur Unterstützung Biotin genommen und seit Tag 1 weniger Haarausfall als vor dem Absetzen. Sie werden auch nicht schneller fettig, was man ja auch öfter hört. Außerdem bin ich auf ein Naturkosmetik-Shampoo umgestiegen. Also alles opti!…wäre da nicht plötzlich das hormonelle Gefühlschaos. Da merkt man mal, wie es ist, wenn man plötzlich nicht mehr so benebelt unter dieser – wie es viele beschreiben – Glasglocke sitzt.

Nach 4 Monaten: Danke für gar nichts!!! Die Hautunreinheiten sind richtig eskaliert. Echt gemein, wenn man das so gar nicht gewöhnt ist. Aber ich hatte es ja schon befürchtet. Mal sehen, ob die Behandlungen bei der Kosmetikerin helfen. Meine Haut hat sich einfach total verändert. Was die Regelschmerzen betrifft, sie sind schon etwas stärker als vorher. Aber da hilft mir CBD Öl und nach dem ersten Tag ist es dann auch vorbei mit den Schmerzen.

Nach 6 Monaten: Jetzt kommen die Pickel auf jeden Fall „regelmäßig“ zur Zeit der Periode angekrochen; also ab dem Eisprung. Der Zyklus hat sich perfekt eingependelt bis auf zwei Tage Spielraum, die ich einrechnen muss. Finde ich total ok! Und sonst fühle ich mich eigentlich unverändert. Bis auf die Haut ist alles fast wie vor dem Absetzen. Die Stimmungsschwankungen sind nicht mehr ganz so unberechenbar.

Nach 10 Monaten: Wow, die Gesichtsbehandlungen und Produkte helfen meiner Haut wirklich so gut. Aber nach dem Reisen oder wenn ich Stress habe, flippt meine Haut dann doch ein bisschen aus. Ich habe auch das Gefühl, dass meine Migräne endlich weniger wird. Das kann natürlich daran liegen, dass mein Körper in den ersten Monaten einfach noch voll mit Hormonen war und sie jetzt nach und nach ausgeschwemmt wurden.

Nach 12 Monaten: Es ist wirklich verrückt, aber ich glaube, dass erst jetzt der letzte Rest der Hormone aus meinem Körperkreislauf verschwunden ist. Mein Körper beruhigt sich endlich und ich bin noch mal ein Stück mehr bei mir. Endlich!!!

Der Schritt wurde belohnt

Ich will euch hier jetzt nicht weiter langweilen mit meiner Menstruation, meinen Emotionen, die stündlich wechseln oder was auch immer… Ich will einfach sagen: Das hier sind MEINE Erfahrungen. Ich habe so oft von Haarausfall gelesen, dass sich sexuell etwas verändert hat, dass die Blutung ausgeblieben ist oder komplett unregelmäßig kam. Das war bei mir alles nicht der Fall. Bei mir hat es sich wirklich nur über die Haut geäußert und dass die ersten Monate etwas Chaos war. Was mir rückblickend auch auffällt, ist, dass meine Haare schneller wachsen und ich mehr schwitze als vorher. Hält sich aber beides total in Grenzen! Wir sind einfach alle unterschiedlich, haben unterschiedliche Körper, Bedürfnisse und Empfindungen. Ich kann jedem nur raten, mit einer netten Ärztin oder einem Arzt zu sprechen und sich Verständnis von dem Partner, wenn vorhanden, einzufordern. Ich habe diese Entscheidung überhaupt nicht bereut und glaube, dass der Pille viel zu viel Bedeutung zugemessen wird. Hier spielt die Pharmaindustrie mit Sicherheit auch ihre Rolle.

Ich bin glücklich, wie sich mein Leben ein Jahr später verändert hat. Ich dachte vorher, dass ich von vielen Dingen nicht betroffen bin, die oft auf die Pille zurückgeführt werden. Mit dem Absetzen ist mir dann aufgefallen, dass ich gar nicht mehr bemerkt habe, wie sehr ich von den körperfremden Hormonen beeinflusst bin. Mir geht es mittlerweile so gut und wenn ihr mit dem gleichen Gedanken spielt, kann ich nur sagen, dass Mut oft belohnt wird und mit Unterstützung der richtigen Ernährung und genügend Zeit alles seinen Lauf nehmen wird. Sicherlich gibt es Menschen, bei denen das Ganze auch gut funktioniert, ohne dass sie absetzen. Aber alle Mädels, die ich kennengelernt habe, die die Pille nicht (mehr) nehmen, sind einfach viel losgelöster. Eben nicht von fremden Hormonen manipuliert.

Ich bin glücklich, wie sich mein Leben ein Jahr später verändert hat.


Was die Verhütung angeht: Ich denke, man lernt so seinen Körper einfach viel besser kennen und einschätzen. Man merkt, wie sich der Körper verändert im Zyklus. Ich habe mir vorgenommen, nach einem Jahr, in dem sich mein Hormonhaushalt einpendeln konnte, auf Temperaturmessung umzusteigen, um den Eisprung zu kontrollieren. Also ein neuer Schritt, den ich angehen werde. Ein Schritt für meine Gesundheit und meinen Körper. Ich bin gespannt!