Gedanken über.

Sammelwerk wirrer Gedanken irgendwie versucht in Worte zu packen.

2. Mai 2019 / jeden Abend

„Und so fiebern wir jeden Abend erneut dem Sonnenuntergang entgegen, um uns danach erschöpft schlafen zu legen.“

10. Mai 2019 / Die Farben eines Tages

„Wir haben jeden Tag die Option. Wir haben jeden Tag die Wahl, worauf wir unsere Augen und unsere Seele richten. Da sind so viele Farben. Ich hoffe einfach sehr, du kannst sie auch sehen.“

12. Mai 2019 / Mama

„[…] In der Schulzeit haben mich alle belächelt, wenn ich dich nach einer Klassenarbeit sofort angerufen habe. Es vergeht immer noch kein Tag, wo wir uns nicht sprechen. Es gab nie eine Hürde, die wir nicht gemeistert haben.
“Da passt kein Haar dazwischen”… Ich denke, das beschreibt es ganz gut! Ich wünsche jedem diesen einen Herzmenschen.“

11. Juni 2019 / schöne Kämpferin

„Das Leben ist eigentlich ganz ansehnlich. Und du bist auch wirklich echt ansehnlich. Eigentlich bist du sogar sehr schön! Du stehst jeden Morgen auf und gehst einem neuen Tag entgegen. Du stellst dich jedem Gegenwind und nimmst ihn sanftmütig in die Arme. Manchmal schüttelst du ihn auch und trittst wie eine Kämpferin daraus hervor. Ja manchmal bewundere ich dich sogar. Wie du das alles meisterst. Glaub mir, du bist so viel stärker, als du manchmal denkst!“

19. Juni 2019 / Vergleiche

„Der kürzeste Weg ins Unglücklichsein ist der, sich mich anderen zu vergleichen. Niemand kann genau so sein wie ‚jemand anderes‘. Wir können nur wir selbst sein. Und davon die schönste Version. Zufriedenheit und Dankbarkeit haben schon immer besser ausgesehen, als verkopfte Perfektion oder Nachahmung. Sei deine eigene schönste Version von dir selbst!“

23. Juni 2019 / Konzert des Universums

„Was für ein Abend. Wir standen zwischen tausenden Menschen, nass bis auf die Unterhose, im strömenden Regen. Vor uns die Bühne, eingerahmt von einem orangenen Himmel, hinter uns ein Regenbogen. Es klingt super unrealistisch und vielleicht ein klein bisschen zu kitschig. Wir standen also da und haben so laut gesungen, wie wir konnten und dabei im Regen getanzt. Dieser Moment gehört wohl nun zu den ganz besonderen in meinem Leben. Weil einfach alles gepasst hat. Weil ich der Musik wieder so unfassbar nah war. Weil mir einfach wieder klar wurde, dass alleine die kleinen Dinge den großen Unterschied machen. Die Momente, die uns die Energie zum Leben bis zum Rand wieder auffüllen. Danke Universum. Ich bin Dir so dankbar für diese kleinen Momente.“

11. August 2019 / schöne Dinge

„Füll dein Herz mit schönen Dingen!
Setz dich früh am Morgen in die Natur und spür die frische Luft in deiner Lunge. Schnapp dir Freunde, fahrt los und zeltet, wo es sich gerade richtig anfühlt. Hör deinen Lieblingssong auf repeat, auch wenn er anderen aus den Ohren rauskommt. Mach einen Spaziergang nur für dich. Führ Gespräche mit dir und Menschen, die dir gut tun. Tanz, bis dir vor Erschöpfung die Beine zittrig werden. Such dir Hilfe, wenn du mal nicht weiterkommst. Egal wobei. Genieß jede Art der Kunst. Geh ins Museum, schau einen guten Film, lies Bücher und Gedichte. Schreib auf was dich beschäftigt. Schaff dir eine schöne Umgebung. Gestalte deine Wohnung neu, miste aus oder stell deine Möbel um. 
Was auch immer es ist. Tu all die Dinge, die dich glücklicher machen.“

16. Oktober 2019 / cool Kid

„Das ist ein bisschen so wie damals auf dem Schulhof. Und du bist wie eins von diesen coolen Kids – von den coolen guten versteht sich. Und wir sind irgendwie Freunde geworden. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe.“

14. November 2019 / Ich bin stolz auf dich

„Ich habe neulich in einem Artikel gelesen, dass man mit Selbstliebe vorsichtig umgehen sollte. Man wäre dann schließlich schnell nur noch bei sich und würde das Drumherum und die Menschen um sich zu sehr ausblenden. Teilweise schon möglich. Aber es ist eben auch so unendlich wichtig, sich selbst regelmäßig zu sagen „es ist großartig, wer du bist“. Deshalb: Danke für 25 Jahre, in denen du schon mein Zuhause bist. Da ist ganz schön Vieles, was du dazugelernt hast in den Jahren. Vieles durchgestanden, hast dich durchgebissen, weitergemacht. Du hast mich verstehen lassen, dass es ok ist, etwas zerstreuter zu sein und hier und da länger zu brauchen, als andere. Ich glaube, das letzte Lebensjahr war das Jahr, in dem wir uns besonders nah gekommen sind. Du bist stark und mutig, jeden Tag. Ich bin stolz auf dich!“

4. Januar / Schicksal oder das große Beben

„Alles hat seinen Grund. Daran glaube ich ganz fest. Jede Entscheidung, Enttäuschung, jeder Rückschlag hat seine Bedeutung mit überraschend hoher Auswirkung, gibt man dem Ganzen etwas Zeit und Raum. Wer weiß, wo wir ohne all diese Erfahrungen sonst wären. Murakami beschreibt es als Sturm. Das große Beben in uns vergessen wir am Ende einfach. Was bleibt, ist der Mensch der wir geworden sind, haben wir den Sturm einmal hinter uns gebracht. Fest steht dabei, der Mensch ist nicht mehr der gleiche, wie der, der einst in diesen Sturm gegangen ist.“

19. Januar 2020 / zwei Leben

„Manchmal hätte ich gerne zwei Leben. 
Eins zum Lesen und eins zum Leben.“

21. Januar 2020 / Off to London

„Ich könnte jetzt total cool tun nach dem Motto „mal eben schnell alleine nach London, was ist schon dabei?“… Aber das wäre sowas von nicht die Realität, in der ich mich grade befinde. Tatsächlich ist das hier die erste Auslandsreise für mich, die ich alleine mache. Eines meiner Ziele für 2020. Alleine reisen. In meinem Alter heutzutage gefühlt total selbstverständlich. Für mich ist es das aber nicht. So ist es nun und das ist total ok für mich. Es hat nichts mit Schwäche zu tun, sich manche Dinge nicht direkt zu trauen. Manches braucht einfach etwas länger und man muss den Mut dafür erst einmal sammeln, solche Wünsche umzusetzen. Deshalb geht es heute für mich endlich mit dem Zug nach London. Ein bisschen aufgeregt bin ich also, aber auch voller Freude und unendlich gespannt.“

2. Februar 2020 / Neben dir

„Und wir sprechen und schweigen und sehen uns an. Da war noch nie so viel Magie zwischen uns, wie in der letzten Zeit. Stundenlange Gespräche, dann wieder schweigen. Ich fühl mich unendlich frei so nah neben dir. Hände haltend. Wachsen gemeinsam, bis wir uns irgendwann vom Boden lösen.“

14. Mai 2020 / Gedanken

„Wunde Füße haben sie sich gelaufen, die Gedanken in meinem Kopf, die hier ohne Pause ihre Kreise ziehn. 
Wir müssen anfangen zu reden!“

13. Juni 2020 / Das Ding, das sich Weltschmerz nennt

„Manchmal ist da einfach nur Weltschmerz.
Ganz viel. Und so erdrückend liegt er mir dann auf der Brust. Dann bin ich sauer auf mich und meine kleine Blase, in der ich happy vor mich hin grinse, in der alles die meiste Zeit so wunderbar rund läuft, sieht man sich im Vergleich das an, was um uns so seinen Lauf nimmt. Da ist so viel Hass. Diskriminierung. Schmerz. Alles scheint immer weiter auseinanderzudriften. Und das nicht erst neuerdings. Würde so gerne alles nehmen und umreißen, zurückrudern, versuchen umzudrehen, zusammenzukleben. Dabei lähmt es mich oft einfach nur. Vielleicht hilft es ja, wenn WIR ALLE öfter die Augen aufmachen, achtsamer werden für diese Dinge und versuchen mal Taten sprechen zu lassen, statt Worte. Ich weiß es nicht. Ich hoffe es aber. Auch wenn es so abgelutscht klingt. Irgendwie ist es doch so, oder?“

2. Juli 2020 / Bei mir

„Unser Körper ist unser Zuhause. Unser Rückzugsort. Und ja, vielleicht klingt es etwas hochtrabend, aber wenn wir bei uns sind, erst dann können wir wirklich von innen strahlen. Nur dann hat unsere Seele Verbindung zu seinem Zuhause gefunden. „

9. Juli 2020 / Lesen

„Du bist mein Seelenfutter. Meine geheime Rundreise um die anderen Sphären schweifend. Du umhülst mich. Zart, lieblich und leise. Und wenn du mich dann absetzt, wenn ich ganz langsam wieder den Boden berühre, aus deinen Seiten aufblicke. Dann bin ich unmerklich, nur durch meine nie verschwundene Hülle irgendwie wieder anwesend. Meine Gedanken bleiben jedoch mit dir auf Reisen und tragen nun den Duft von altem Antiquariat und vergilbtem Buchpapier.“

13. August 2020 / Es braucht nicht viel

„Meine wichtigste Erkenntnis? Es braucht nicht viel. Nur sich selbst, seine Gedanken und Träume. Und die Hand, die sich hin und wieder traut, ins Unbekannte zu greifen.“

16. August 2020 / dein eigenes gleichbleibendes Universum

„Ich weiß, dass dir manchmal der Halt fehlt. Dass du manchmal glaubst, dass nichts um dich herum eine wirkliche Konstante ergibt. Hast du mal darüber nachgedacht, dir selber schöne Augenblicke zu schenken? Dir Glück einzuräumen? Und dass du dann dein eigenes gleichbleibendes Universum sein kannst?“

23. August 2020 / Erreichbar sein

„Kurz aufgetaucht in dem ganzen Stress.
40 WhatsApp Nachrichten. 5 verpasste Anrufe. Irgendwer hat mir auf die Mailbox gequatscht und mein Emailpostfach läuft über. IST DOCH SCHÖN, WENN DU „GEFRAGT“ BIST, sagt die dumpfe Stimme in meinem Kopf, die mich seit Tagen quält. Gleichzeitig klicke ich in die Nachrichten, weil mich das schlechte Gewissen nicht in Ruhe lässt: „Hast du ne neue Nummer oder warum antwortest du nicht?“ „Wieso kam nichts auf meine letzte Sprachnachricht?“ (klar, die war ja auch nur 8 Minuten) „Bist du irgendwie sauer? Man hört gar nichts mehr von dir.“ „…oder ist meine Nachricht wieder untergegangen?!“. 
Immer erreichbar sein. Das hat ganz lange ganz schön gut funktioniert. Immer geantwortet, immer einen guten Ratschlag beigefügt, immer ein offenes Ohr. Für jeden, nicht nur für die Engsten. Alle kannten das so von mir, waren es so gewohnt. Weil sie eben gut socialisen kann…Aha. Kommt mir gerade aber weniger so vor, wenn ich all die Nachrichten wieder auf „ungelesen“ zurückschieben, in der Hoffnung, ich vergesse nicht, später dann wirklich unbedingt noch zu antworten. Bis dahin nehme ich tief Luft, schließe die Augen und lasse mich wieder ganz in die Unendlichkeit hinabsinken. In das bisschen Stille mit mir selbst. Weil ich das irgendwie gerade besser kann.“

4. Oktober 2020 / Auf Herbst folgt Winter oder Die Vorfreude übertrumpft die Sorgen

„Meine wiederkehrende Angst davor, dass wie jedes Jahr der Winter auf den Herbst folgt. Dass ich über die vielen dunklen Monate die warme Farbe der Sommersonne vergesse, vergesse wie sie sich anfühlt auf meiner Haut. Dabei ist der Herbst noch nicht einmal ganz hier eingetrudelt. Dann sehe ich die Abende auf dem Sofa, viele Kerzen, Filme schauen, neue oder manche auch zum x-ten mal reinziehen. Der Bücherstapel, der noch gelesen werden will verspricht viel. Spaziergänge durch die trockene Kälte. Meine Mandoline wieder öfter in die Hand nehmen. Gemeinsam kochen, Tee trinken, die Wohnung umgestalten. Man bemerke: Die Vorfreude übertrumpft die Sorgen. Wie jedes Jahr. Ein Glück. Ein Ding des Blickwinkels eben. Wie immer.“

7. Oktober 2020 / Phasen wie Wellen

„Ich habe verstanden. Phasen im Leben kommen und gehen. Wellen der Gedanken. Kreisen wie wild, schäumen und schwappen dann über. Brechen irgendwann an meiner Sturheit entzwei. Dann nach dem Beben, wenn ich doch aufgegeben habe, lässt der Druck endlich nach. Denn auf Flut folgt Ebbe und ehe ich übermüdet einschlafe über all dem Chaos in meinem Kopf, weiß ich, dass die Wellen mitnehmen auf ihrem Weg, was meine Schultern längst nicht mehr tragen können.“

25. Oktober 2020 / Geschenke des Jahres

„Jedes Jahr denke ich erneut, wenn mit dem vergangenen Sommer auch der scheinbare Höhepunkt des Jahres hinter mir liegt, wie schnell dieses Jahr wieder verflogen ist. Denke das Jahr für Jahr und es scheint mir wirklich so, als ginge es mit jedem dieser Jahre tatsächlich immer schneller und schneller. Dass das Jahr nicht so war, wie wir alle es uns erhofft haben, da lässt sich nichts radieren. Kaum wer wird noch sagen, dass 2020 DAS JAHR war, so wie es viele zu Neujahr noch prophezeit haben. 
Ich hoffe einfach, dass zwischen den vielen einsamen Momenten, individuellen Enttäuschungen, zwischen den unterschiedlichsten Sehnsüchten und Ängsten jeder sein kleines bisschen Glück im Alltäglichen finden konnte. Dass wir alle etwas zurückgebracht worden sind zu dem, was den Menschen wirklich glücklich macht, was unsere Wertschätzung verdient. Das hier soll sicherlich kein Jahresrückblick werden (schließlich ändert sich an diesem Zustand ja auch vorerst nichts, Jahreswechsel hin oder her). Und doch weiß ich jetzt bereits, dass dieses Jahr mir zum ersten Mal ganz andere Dinge geschenkt hat. Dass ich in mein Notizbuch, in dem ich am letzten Tag eines Jahres immer reflektiere, nichts davon stehen wird, wie viel ich wieder von der Welt entdecken konnte und was für Abenteuer ich erlebt habe. Nein, da werden Dinge stehen, die ich längst kannte und irgendwie vergessen hatte. Dinge wie, die Schönheit jeder einzelnen Jahreszeit, wie sehr ich mag auf dem Bauch einer anderen Person einzuschlafen und dass ich gemerkt habe, wie viel Spaß es macht neue Gerichte nach Rezept zu kochen. Kleinigkeiten, belanglose Dinge, die aber irgendwie den Unterschied gemacht haben für mich. Die Menschen, die man wirklich vermisst hat. Wie wichtig es ist seine eigene Stille und Anwesenheit ertragen zu können. Sogar vielleicht gerne mit sich selbst zu sein. Die eigenen vier Wände. All das weiß ich mehr zu schätzen, als in all den vergangenen Jahren. Das ist mir nur grade irgendwie bewusst geworden.“

12. November 2020 / Freundschaft

„Es ist so verrückt zurückzusehen und zu erkennen wie sich das Idealbild von FREUNDSCHAFT einfach verändert hat mit dem Erwachsenwerden. Da hast du nicht mehr deine riesengroße Gang, mit der du jedes Wochenende steil gehst und die nichteinmal wissen wie deine Eltern mit Vornamen heißen, oder wie dein erster großer Verlust im Leben ausgesehen hat. Aber du bist dir ja sooo sicher, das wird niemals auseinander gehen….Ist klar. 
Es war ein schleichender Prozess. Mit dem Fakt, dass viele gegangen sind – schmerzlich oder so, dass man es kaum bemerkt oder es erschreckenderweise einfach so zur Kenntnis genommen hat. Viele kommen, nur wenige bleiben. Heute weiß ich, dass das stimmt. Gleichzeitig verändert sich damit das Verhältnis zu den wenigen die geblieben sind.
Immer wieder lernen wir auch neue Menschen kennen. Doch man ist achtsamer, vorsichtiger geworden. Lässt so schnell keinen hinter die Maske schauen und eintreten ist den eigenen Kosmos. Da muss es dann erst wirklich Funken schlagen. Irgendwie klick machen. Und dann heißt es arbeiten: sich früher oder später seine ganze Lebensgeschichte erzählen, wenn man sich so wirklich kennenlernen will. Das verlangt Kraft. 
Freundschaften werden im Alter enger. Man verliert sich, begegnet sich vielleicht sogar wieder. Man kennt sich. Man kennt sich so wirklich! Und man schätz den anderen für all das was er ist. Für das was er über dich weiß. Für alles was er dir an Vertrauen schenkt. Hört sich deine Story zum 1000sten Mal an. Schweigt mit dir. Kämpft für dich, wenn du grade nicht kämpfen kannst. Wenn du das hast. Dann hast du alles was du brauchst. „

10. Dezember 2020 / Gesundheit und ne fette Portion Glück

„Auch wenn ich nun nach dem gestrigen Tag so ein wohliges Gefühl voller Dankbarkeit auf meiner Brust trage, fühle ich mich von der Last der letzten Wochen noch immer wie in dicken Rauch gehüllt, doch langsam wird die Sicht wieder klarer. Habe das sacken […]. Die letzten Wochen haben sich immer mal wieder Sequenzen in mein Hirn gesetzt und mich kurz aus der Realität gehebelt und in eine Art Zwischendimension gesetzt. Und da war dann nur dieses Rauschen. Viel mehr dieses Bubbern, das mich nachts nicht mehr hat einschlafen lassen. Und das manchmal so laut wurde, dass ich plötzlich nichts niemanden mehr verstehen konnte. Gestern waren die letzten Untersuchungen. Die Ergebnisse sagen: Es könnte schlimmer sein und das ist alles was ich hören wollte. „Das bekommen wir vorerst so in den Griff“ bedeutet gleichzeitig, dass Millisekunden dein ganzes Empfinden wieder umpolen können. Danke für diese Funken, das Feuerwerk Glück, dass ich mir die letzten Wochen so sehr gewünscht habe. Vergesst also nie, diese doch so nervigen Standardsätze am Ende einer Postkarte, wie „viel Glück und bleib gesund“, die sind nämlich verdammt viel wert wenn sie zutreffen. Gesundheit und ne fette Portion Glück.“

18. Dezember 2020 / Vorfeiertagszeit

„Das ist alles so anders. So fremd zu dem, was jahrelang irgendwie selbstverständlich war. Kaue diesen Gedanken wie einen zähen Kaugummi, während die Scheibe vor meinem Gesicht milchig trüb beschlägt. Ihr Lichter und Lametta dieser leeren Nebelstraßen. Ihr fühlt euch so ungewohnt anders an. Aber die Hoffnung unter meiner Brust, dass das was kommt irgendwie besser wird, die fühlt sich gerade unbesiegbar stark an.“

19. Januar 2021 / Straucheln

„Hab mich wieder eingependelt. Hoffe es hält. 
Die halbe Nacht versucht die To Do Liste in meinem Kopf zu strukturieren. Wilde Gedanken sind mit all den Sorgen Karussell gefahren. Und am Morgen dann wieder kein klarer Gedanke und dazu die Wohnungsdecke, die gefährlich stark auf mich hinab und meinen Gemütszustand zu drücken scheint. Diese Tage die wie Blei sind. Wie sie dann auf uns liegen und wir unser Mantra im Kopf auf und ab zu beten versuchen, es aber durch die Glasglocke selbst kaum wahrnehmen können. „Lass los, gib ab“. Doch so einfach ist es an diesen Tagen dann irgendwie doch nicht. Dann kannst du nur hoffen, dass dich jemand am Kragen packt – und vielleicht schaffst du’s ja selbst – und dich aus deinem Sog zieht, nach draußen an die Luft schleift und du es irgendwie schaffst all das wieder von dir wegzuatmen. 
Gerade häufen sich diese Tage bei vielen. Dann ist es nicht mehr ein schlechter Tag unter vielen guten. Viel mehr wird es eine Suche in dem Haufen verheulter Tage, nach dem einen, der vielleicht nicht so ganz beschissen war. Winter. Lockdown. Existenzangst. Sorgen. Jeder hat gerade seine Last zu tragen, privilegiertes Grau oder kritische Lebensphase. Ich kann nur sagen: das wird schon. Weil ich selbst auch manchmal wen brauche, der mich daran erinnert.“

31. Januar 2021 / Irgendein Morgen

„Ofenwarmes Brot zum Frühstück. Kaffee schon kalt. Schallplattenkratzen und der Geruch von alten Bücherseiten. Füße an Füße gedrückt, wenn die Fenster beschlagen.“

4. Mai 2021 / Die große Schwester

„Große Schwester. 
Heute an diesem Tag und an jedem anderen, weiß ich gar nicht wofür ich dir nicht alles danken könnte. Kein Tag, an dem ich nicht gerne die kleine Schwester einer so starken Frau sein wollte. So viel habe ich von dir gelernt, konnte mich in jeder Sekunde auf dich verlassen. Hatte immer dich, die mir zugesprochen hat. Immer gemeinsam. Hatte immer deine Schulter zum ausweinen und immer einen Rat, wenn er nötig war. 
Damals. Keine Sandkastentorte war in irgendeiner Form eine ernst zu nehmende Herausforderungen für uns. Wir zwei, wir waren die Königinnen der Schaumfrisuren.
Ich hätte niemals tauschen wollen. Nicht zu Zeiten, als du mir die beste Spielkameradin der Welt warst und auch nicht, seit ich weiß, wir gehen auch durch die schwierigsten Zeiten niemals nur eine Sekunde ohne einander. 
Du bedeutest mir die Welt. Denn aus den gleichen viele Teilchen gebastelt, sind wir zwar verschieden, aber doch so verdammt ähnlich. Ich bin einfach bedingungslos dankbar, dass es dich gibt.“

6. Mai 2021 – Ich bin da

„Ich will nicht, dass du aufgibst. Und das sage ich jetzt und das sage ich direkt zu Beginn, denn wenn ich eines in deinem Blick erkennen kann, ist es Nichts. Und das soll schon was heißen. Die letzten Wochen habe ich sie gar nicht gesehen. Deine Augen, hinter der beschlagenen Brille, vermute dein Blick war noch nie so leer. Dabei würde ich so gern deine Hand nehmen und sie feste halten. Nicht zu fest, nur so, dass du spürst, dass da jemand ist, der dich hält und der warten kann. Alles kein Problem für mich. Ich bin gerne da. Bei dir. Will nur wissen, dass da eine Sequenz der Chance liegt, dass du bald wieder etwas besser atmen kannst. Kann dich kaum noch atmen sehen. Nur ganz leicht und flach, weil so vieles auf deinen Schultern liegt. Ich kenne den Druck. Ich sehe ihn und ich sehe dich. Ich. Sehe. Dich. Weil du schön bist und so anmutig. Trotz deiner winzigen Falten um den Mund herum und trotz deiner unzählbaren Erinnerungen, die ich in deinen Augenwinkeln lesen kann. Eben vielleicht genau darum. Ich weiß, dass du das kannst. Nur noch ein bisschen länger aushalten. Nicht mehr lange,… hoffe ich. Mehr fällt mir auch nicht ein.“