Haruki Murakami Leseempfehlungen

Es ist ja absolut kein Geheimnis mehr, dass Haruki Murakami zu meinen absoluten Lieblingsautoren gehört. Momentan bin ich dabei, das neunte Werk von ihm zu lesen. Es trudeln regelmäßig Nachrichten bei mir ein, mit Fragen zu seinen Büchern. Scheut euch bitte nicht, mir wegen Literatur zu schreiben. Ich liebe das total!

Da sich die Fragen zu Murakamis Werken mittlerweile häufen, habe ich hier mal meine Favoriten von ihm zusammengestellt, mit passender Reihenfolge. Ich bin so glücklich über jeden, den ich mittlerweile mit Murakami anstecken konnte. Einige meiner engen Freunde sind schon durch und durch dem Fanclub beigetreten. Aber auch viele, die mir bei Social Media folgen, verlinken mich immer wieder in Stories, die ihre neue Errungenschaft Murakamis zeigen.

Kurz ein paar Fakten, um den Schriftsteller etwas besser kennenzulernen:

  • Murakami schreibt größtenteils Romane und Kurzgeschichten
  • aus dem Japanischen übersetzt von Ursula Gräfe
  • Die Werke wurden mehrfach ausgezeichnet
  • Die Werke sind in fast alle Sprachen übersetzt
  • die Storykulisse seiner Romane ist Japan, hat aber in großen Teilen westliche Züge und ist sehr modern. Oftmals ist die Stimmung angehaucht von den 60er und 70er Jahren.
  • Musik und Kunst sind oft Thema der Protagonisten
  • Er greift wiederholt Motive auf, die sich immer wieder durch all seine Werke ziehen (Brunnen, Ohren, Katzen)

Ich habe einige Romane von ihm gelesen, aber auch Kurzgeschichten oder seinen autobiografischen Text „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“. Ich persönlich bin großer Fan von seinen Welten, die science-fictionartige Elemente haben. Ich liebe, wie er schreibt und je mehr ich die Möglichkeit bekomme, in seine Werke einzutauchen, um so mehr fesselt mich die Gesamtstory. Deshalb bin ich von seinen längeren Romanen am meisten begeistert. 

Hier also meine liebsten Bücher von Haruki Murakami. Ich empfehle folgende Reihenfolge, um den Autor langsam und genau kennenzulernen und mit der Zeit tief in seine Welten einzutauchen:

1. Naokos Lächeln

Kurzer Einblick: Toru studiert Literaturwissenschaften und lernt dabei die lebensbejahende Midori kennen. Doch sein Herz hängt an Naoko. Die beiden verbindet ein großer Verlust, an dem Naoko noch schwer zu nagen hat.

Meine Verbindung zum Werk: Naokos Lächeln war mein erster Murakami. Seit diesem Zeitpunkt bin ich an den Mann gefesselt. Ich finde den Roman perfekt für den Einstieg, da die Story sehr zugänglich ist. Ich glaube, dass der Umfang auch erst einmal weniger abschreckend ist, um reinzukommen. 

Lieblingszitat:

„Wir müssen die Fäden einen nach dem anderen entwirren, ohne die Hoffnung aufzugeben. Wie aussichtslos die Lage auch erscheinen mag, irgendwo werden wir zweifellos einen Anfang finden.“

2. Gefährliche Geliebte / Südlich der Grenze, westlich der Sonne

Kurzer Einblick: Hajime trifft auf seine Jugendliebe Shimamoto und das alte Feuer der beiden wird neu entfacht. Allerdings sind die Umstände der beiden nun anders und komplizierter als damals.

Meine Verbindung zum Werk: für mich ist die Story der beiden extrem einfach auf sich selbst zu beziehen und bietet unheimlich leichten Zugang. Obwohl „Gefährliche Geliebte / Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ ein wirklich kurzer Roman von Murakami ist, empfinde ich die Geschichte als wirklich gut ausgeschmückt und fesselnd.

Lieblingszitat:

„Wahrscheinlich fühlten wir beide, dass wir noch unfertige Geschöpfe waren, auf der Suche nach etwas neuen, zu erreichenden Etwas, das uns erfüllen und vervollkommnen würde. Zehn Sekunden lang standen wir Hand in Hand vor dem Tor zu diesem Neuen. Nur wir beide. Im Schein eines trüben flackernden Lichts.“

3. Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Kurzer Einblick: Nach Jahren stellt sich Tsukuru Tazaki seiner nicht verarbeiteten Vergangenheit, in der sich seine Jugendclique unverständlicherweise von ihm abgewandt hat. Er geht dem Grund dafür auf die Spur und alte Wunden und Verdrängtes geraten wieder an die Oberfläche.

Meine Verbindung zum Werk: Nach den anderen beiden Werken, finde ich bei „ Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ schön, mehr über das Thema Freundschaft zu lesen und die Verbindung zu Liebe, die aber nicht erstrangig in der Gewichtung scheint.

Lieblingszitat:

„Die beiden sprachen nicht. Worte hatten hier keine Macht. Sie hielten sich nur stumm in den Armen, wie zwei in ihrer Bewegung erstarrte Tänzer, und überließen sich dem Fluss der Zeit. Einem Fluss, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart und wahrscheinlich auch die Zukunft mischten.  Ihre Körper verschmolzen.“

4. Mister Aufziehvogel

Kurzer Einblick: bei Toru geraten alle Lebensstrukturen den Bach runter. Durch mysteriöse Zufälle begibt er sich in einen Brunnen und somit auf eine Reise voller ungeklärlicher Ereignisse und Machenschaften.

Meine Verbindung zum Werk: Mein erster fetterer Roman von Murakami.  So verrückt man die Story anfangs halten mag, so selbstverständlich werden einem beim Lesen alle Ereignisse der Geschichte. Man taucht ein in eine Welt und möchte am liebsten nicht mehr zurückkommen. Leider noch nicht in der Übersetzung von Ursula Gräfe, aber ich habe gehört, dass diese bald kommen soll.

Lieblingszitat:

„Worauf es ankommt, ist, dem Fluß nicht zu widerstreben. Du steigst auf, wenn du aufsteigen sollst, und steigst ab, wenn du absteigen sollst. Wenn du aufsteigen sollst, such dir den höchsten Turm aus und klettere bis auf die Spitze. Wenn du absteigen sollst, such dir den tiefsten Brunnen und geh hinunter auf den Grund. Wenn der Fluss stockt, halt still. Wenn du dem Fluß widerstrebst, verdorrt alles. Wenn alles verdorrt, ist die Welt Finsternis.“

5. 1Q84

Kurzer Einblick: Der Dreiteiler behandelt zwei Handlungsstränge, die von den Hauptfiguren Aomame und Tengo erzählen. Es ist eine magische Parallelwelt einer Untergrundorganisation, die es den beiden lange nicht ermöglicht ihre Wege zu kreuzen.

Meine Verbindung zum Werk: Ich habe dieses Werk verschlungen und wollte einfach nicht, dass es endet. Die Hauptfiguren waren mir so nah wie bisher keine Protagonisten des Autors. Die ganze Welt, die Murakami hier erschaffen hat, ermöglicht selbst Lesern einen Zugang, die von Science-Fiction weniger halten. Er macht diese andere Welt zu etwas selbstverständlichem.

Lieblingszitat:

„Seit undenklichen Zeiten betrachtete der Mond den Erdball ganz aus der Nähe. Niemand sonst kannte ihn so gut. Wahrscheinlich war er Zeuge aller Phänomene und Ereignisse die jemals auf der Erde stattgefunden hatten. Aber der Mond schwieg und sprach nie. Kühl und ungerührt trug er die Last der vergangenen Zeiten. Dort oben gab es keine Luft und auch keinen Wind. Vielleicht war dieses Vakuum besonders gut geeignet, Erinnerungen unbeschädigt zu bewahren. Niemand konnte das Herz dieses Monds erweichen. Aomame erhob ihr Glas in seine Richtung.“ 

6. Kafka am Strand

Kurzer Einblick: Tamura flüchtet aus seiner Heimat. Der „Sonderling“ Nakata spricht mit Katzen und wird dazu gedrängt, einen Mord zu begehen. Eine alte Bibliothek bringt die beiden Handlungsstränge zusammen.

Meine Verbindung zum Werk: Der erste Roman, den ich wirklich crazy empfunden haben und das erste Mal seit langem, dass ich eine Interpretation eines Werkes gegoogelt habe. Aber meine offenen Fragen haben mich nicht in Ruhe gelassen und der Inhalt hat mich noch lange beschäftigt. Definitiv ein Buch, auf das man sich einlassen muss, das aber unheimlich viel Spielraum für eigene Ansichten ermöglicht.

Lieblingszitat:

„Du fürchtest dich vor deiner Fantasie. Und vor deinen Träumen. Und vor der Verantwortung, die im Traum beginnt. Aber ohne Schlaf geht es nicht, und im Schlaf kommen die Träume. Im Wachen kannst du deine Fantasie zügeln, nicht aber im Traum.“

7. Wilde Schafsjagd

Kurzer Einblick: Der Protagonist begibt sich gemeinsam mit einer Freundin unfreiwillig auf eine ihm auferlegte Reise. Die Suche nach einem mysteriösen Schaf, basierend auf einem Foto eines alten Freundes, eröffnet den Beiden ein großes Abenteuer.

Meine Verbindung zum Werk: Der Bestseller des Autors ist meine aktuelle Kost. Man spürt seine ganze Genialität in diesem Werk, das zur „Trilogie der Ratte“ gehört. (Nach „Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“) Das Buch erst jetzt zu lesen macht mein Bild von ihm erst so richtig rund und vollkommen.

Lieblingszitat:

„Sie zeigte mir ihre Ohren des öfteren, meistens dann, wenn wir Sex hatten. Sex mit ihr schuf ganz sonderbare Stimmungen: Wenn es regnete, roch es deutlich nach Regen. Wenn Vögel sangen, hörte man sie ganz klar.“